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Die Richter am Berliner Kammergericht müssen derzeit wie in den 70er Jahren arbeiten. Der Internetzugang wurde vorsichtshalber geschlossen. Die Juristen müssen mit Fotokopien und Fax arbeiten. Vor mehr als vier Wochen wurde die Behörde Opfer eines Trojaner-Angriffs. Bis heute arbeitet das Gericht im provisorischen Notbetrieb. Es wurden in der Zwischenzeit 20 verseuchte Rechner festgestellt. Insgesamt müssen 500 Computer ausgetauscht werden. Davon konnten jedoch erst 60 ersetzt werden. Der komplette Austausch sei notwendig, weil die schwer erkennbare Schadsoftware sonst wieder aktiv werden könnte.

Der Justizsenator versicherte, dass keine Daten gestohlen wurden: «Wir gehen nicht von einem gezielten Angriff aus». Ebenfalls seien keine Geldforderungen eingegangen. Künftig sollten Richter mit dienstlichen Notebooks für die Arbeit zu Hause ausgestattet werden. Die Opposition wirft dem Verantwortlichen Untätigkeit vor. Das Gericht sei de facto handlungsunfähig.

Das IT-Dienstleistungszentrum Berlin (ITDZ) hatte den Virus im Computersystem Ende September bemerkt. Die Computer wurden daraufhin umgehend vom Internet getrennt. Ein Übergreifen auf andere Systeme der Verwaltung sei damit verhindert worden. Nach Angaben des Zentrums hatte der Trojaner «Emotet» die Computer infiziert.

Der Gerichtspräsident betont, dass das Gericht aus der Krise besser herauskommen wolle, als man hineingeraten sei. Das Gericht komme unter den Schutzschirm des ITDZ. Damit sollen gleiche Sicherheitsstandards erreicht werden. Das bisherige zusätzliche Sicherungssystem des Gerichts werde nicht wieder hergestellt.

Gemäss Präsident sei bislang ein Mini-Netz installiert worden. Es gebe einen eingeschränkten Mail-Verkehr, Papiere würden gefaxt. Auf das Internet könne nicht zugegriffen werden. Ausserdem habe er angeordnet, alle USB-Sticks der Juristen auch an den Amtsgerichten zu deaktivieren. Diese seien ein Einfallstor. Das Vertrauen der Bevölkerung in die Justiz habe oberste Priorität. Wegen der Probleme hatte der Kammergerichts-Präsident eine geplante Vortragsreise nach China abgesagt. Den Vorwurf, nach dem Virenbefall nicht schnell genug gehandelt zu haben, hatte das Gericht mehrfach zurückgewiesen.

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Quelle: Security Insider, 5.11.2019

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