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Cyber-Sicherheit: Die Kaspersky-Voraussagen für 2016

Das Internet verändert sich von Jahr zu Jahr und auch die Bedrohungen halten damit Schritt. Zum Ende des Jahres blickt der Sicherheitslösungsentwickler Kaspersky Lab in die Kristallkugel und prophezeit, welche Cyber-Bedrohungen auf Heimanwender und Firmen im nächsten Jahr zukommen werden könnten.

Bedrohungen für Heimanwender

Im Jahr 2015 hatten viele Nutzer mit Ransomware-Angriffen (Schadsoftware) zu kämpfen. Das wird sich im nächsten Jahr fortsetzen und verschärfen. Denn Cyberkriminelle können mit diesen Schädlingen viel Profit erzielen. Massenhafte Infizierungen sind relativ günstig und bringen direkte Monetarisierung, da die Opfer vielfach ein Lösegeld bezahlen. (Siehe Beitrag Verschlüsselungstrojaner TeslaCrypt)

Im nächsten Jahr könnten sich die Ransomware-Entwickler auch auf neue Plattformen konzentrieren. Ein Angriff auf Linux-Geräte wurde bereits entdeckt. Noch interessanter für Hacker könnte Mac OS X sein, da die Besitzer teurer Apple-Geräte potenziell auch mehr Lösegeld bezahlen können. Zudem ist es gut möglich, dass neue Ransomware-Varianten verschiedene Geräte des Internet der Dinge (IoT) sperren werden. Kühlschrank, Smartwatch oder Fernseher könnten deaktiviert werden und an eine Lösegeldforderung gekoppelt sein.

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Ein weiterer Trend dreht sich um Erpressung mit gestohlenen Fotos und gehackten Konten. Datendiebstähle, veröffentlichte Nacktfotos verschiedener Stars, sowie die persönlichen Daten von Ashley-Madison-Anwendern sind prominente Beispiele dafür. Datenbanken werden von verschiedenen Personen und aus unterschiedlichen Gründen veröffentlicht. Manche verlangen ein Lösegeld, andere wollen sich nur profilieren. Und manchmal veröffentlichen Hacker solche Daten, um bestimmte Personen und Organisationen zu diskreditieren. Egal, welche Ziele die Täter verfolgen, im Jahr 2016 kann mit einer Steigerung solcher Angriffe gerechnet werden.

Lange Zeit hatten Transportmittel keine Verbindung zum Internet. Das ist bei heutigen Neuwagen anders und und bringt neue Gefahren mit sich. Es wurden bereits erfolgreiche Cyberangriffe registriert, mit dem Ziel, bestimmte Automodelle zu hacken und die Kontrolle über deren Systeme zu übernehmen. Dank selbstfahrender Autos werden Fernsteuerungssysteme immer verbreiteter und werden früher oder später auf jeden Fall die Aufmerksamkeit von Hackern auf sich ziehen. Die Täter werden sich wahrscheinlich nicht auf die Systeme selbst konzentrieren, sondern eher auf spezielle Protokolle, die für die Kommunikation zwischen den Autos zuständig sind. Wenn sie es schaffen, diese zu kompromittieren, können sie gefälschte Befehle an die Autos senden.

Was sind die grössten Gefahren für Firmen?

Wenn man vom Jahr 2015 ausgeht, werden grossangelegte Advanced Persistent Threats (APT) gegen Länder und Organisationen, so wie wir sie heute kennen, fast vollständig verschwinden. Aber es ist mit neuen Varianten zu rechnen: Hacker sind gerade dabei, von massgefertigten Schadprogrammen auf die Verbesserung existierender serienmässig produzierter Entwicklungen umzusteigen, so dass sie weniger Spuren hinterlassen. Dieser Ansatz macht es für Sicherheits-Experten schwerer, die Kriminellen aufzuspüren. Und es ist günstiger: Hoher Profit bei geringer Investition wartet auf die Kunden der Hacker.

Heute ist jede kriminelle Cyber-Kampagne einzigartig und wird von Grund auf entwickelt. Aber es ist gut möglich, dass wir das bald als angebotenen Service sehen werden. Kriminelle könnten sogar damit beginnen, nicht die Kampagne selbst, sondern das Ergebnis eines Einbruchs zu vermarkten: Zugriff auf Daten und Systeme von Opfern, die vorher gehackt wurden.

Im Jahr 2015 griffen Hacker erfolgreich Banken und Finanzdienstleister an, im Jahr 2016 werden sich diese und ähnliche Angriffe noch erhöhen. Und auch wenn der Grossteil dieser Attacken gegen Geldautomaten gerichtet war, so gab es doch auch Täter wie die Carbanak-Gruppe, die weltweit von dutzenden Banken etwa eine Milliarde Dollar gestohlen hat. Apple Pay, Samsung Pay und Android Pay könnten zu den nächsten Zielen der Kriminellen gehören, zusammen mit anderen neuen, noch ungetesteten Finanzdiensten.

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Was ist sonst noch möglich?

Das Internet ist noch relativ jung, entwickelt sich aber so schnell weiter, dass manche Technologien, die tief im Internet liegen, bereits veraltet sind. Oder sie können einfach nicht mehr mit dem modernen Design des Internet mithalten. Verschiedene Probleme tauchen vereinzelt auf: Botnetze werden in Routern gefunden, BGP — das wichtigste Routing-Protokoll des Internet — kann kompromittiert werden, zahlreiche Angriffe auf DNS-Einstellungen von Routern werden durchgeführt. Das Internet verändert sich, insbesondere wenn Regierungen immer mehr Kontrolle darüber übernehmen. In diesem Fall wird das Internet in Anlehnung an die Ländergrenzen aufgeteilt werden. Das Internet ist bereits heute in China ganz anders als das, was die Anwender in Deutschland, den USA oder in Russland sehen.

Ein Ergebnis ist, dass viele Seiten und Dienste in den Untergrund gehen. Anwender werden für den Zugriff auf spezifische Informationen zahlen müssen. Diesem Markt wird ein konstantes Wachstum vorausgesagt. Gleichzeitig werden auch Anonymisierungstechniken weiterentwickelt werden.

Ein weiteres globales Problem könnte sogar noch grösser sein: Bisher unhackbare Dinge könnten hackbar werden. Moderne Verschlüsselungsstandards wurden so entwickelt, dass sie mit den existierenden Computern nicht geknackt werden können, doch der Rechenleistung von Quantencomputern und anderer kommender Technologien können sie nicht standhalten. Sollten Kriminelle in naher Zukunft in den Besitz von Quantencomputern gelangen, müssen Experten die heutigen Verschlüsselungstechnologien komplett neu entwickeln.

Weitere Voraussagen für das kommende Jahr finden Sie im ausführlichen Bericht von Securelist.